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Wenn du noch da wärst

Was wäre, wenn du noch da wärst?

Es ist ein Leben, das so weit weg ist und doch trage ich einen Teil davon mit mir herum. Frage mich, ob es mir besser gehen würde in dieser nicht existierenden Dimension. Es haftet an mir wie ein Fussel, das sich nicht entfernen lässt. Es trübt meinen Blick auf das Leben, das wirklich passiert. Und hält mich fest an einer Vision von mir – von uns – die es nie geben wird.

Wenn du noch da wärst – allein der Satz klingt so befremdlich. Wie eine Lüge. Ein tief sitzender Schmerz.

Wenn du noch da wärst – ein Tagtraum, der nie etwas anderes sein wird. Ein Wunschdenken, das deine Abwesenheit noch deutlicher spürbar macht. Eine Bedingung, die nie zu einer Auswirkung führt.

Wenn du noch da wärst, würde ich dir so vieles sagen. Wie dankbar ich bin. Wie stolz. Wie glücklich, dich in meinem Leben zu haben. Dass es mir leid tut, wenn ich dich enttäusche. Dass ich es schätze, was du für uns tust. Dass ich es liebe, mit dir zu lachen. Dass es keinen gibt, dem ich mehr vertraue. Und vor allem, dass ich dich liebe.

Wenn du noch da wärst, würde ich dich so vieles fragen. Wie es dir geht – also wirklich. Ob du glücklich bist. Was dein innigster Wunsch ist. Was deine Lieblingsfarbe ist. Was du abgrundtief hasst. Wie du aufgewachsen bist. Was dein Sinn in diesem Leben ist. Worüber du nachgrübelst und was dich abends nicht schlafen lässt. Was du gerne noch erleben willst. Wohin du reisen willst. Was du alles erlebt hast als Teenager. Was dein größtes Learning im Leben war. Ob es Dinge gibt, die du bereust. Worauf du stolz bist. Und so vieles mehr. Ich würde dich kennenlernen wollen, so richtig als Mensch.

Wenn du noch da wärst, würde ich dich weniger für selbstverständlich halten. Die Zeit mit dir noch mehr genießen. Dir wirklich zuhören. Deine Lektionen annehmen. Dich öfter umarmen und deine Anwesenheit spüren. Mich an dich lehnen und mich von dir beschützen lassen. Weniger rebellieren. Öfter danke sagen, statt mich zu beschweren.

Wenn du noch da wärst, würde ich diese Zeilen nicht schreiben. Ich hätte all diese Gedanken nicht. Und wer weiß, vielleicht würde ich all das nie tun. Vielleicht ist das der Trost zwischen all den Wenns: Dass ich vieles klarer sehe. Die Zeit, die wir zusammen hatten, nun noch mehr schätze. Dankbarkeit verspüre und pure Liebe. Liebe, die irgendwann vielleicht sogar die Trauer übersiegt.

Wer weiß schon, was wäre, wenn…

❥ Janina

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