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❥ Haben wir überhaupt noch Lust aufs Leben?

Ein verregneter Tag. Die U-Bahn ist rappelvoll. Neben mir hustet ein alter Mann. Alle anderen Leute um mich sind vertieft. In ihre Gedanken oder in ihre schlauen Begleiter. Ein Piepsen hier, ein Klingelton dort. Sonst ist es mucksmäuschenstill. Niemand redet, niemand lacht, niemand traut sich aufzublicken. Ist das ein Spiel? Nein, es ist der Alltag. Der Alltag, der uns immer mehr in seine dunklen Tiefen zieht.

Endstation. Die Menschen laufen panisch aus dem Wagon. Warum haben dies denn alle so eilig? Schon klar, ein wichtiger Termin. Also schließe ich mich der Masse an und drängle mich durch die Tür. Ich laufe vorbei an Büros und großen Firmen. Hinter den Scheiben schwitzende Männer und gestresste Frauen. Über ihren Köpfen sieht man den Terminkalender kreisen. Ein Mädchen macht ein Bild von ihrem Salat. Ob er ihr überhaupt schmeckt?

Mein Handy vibriert. „Oma anrufen“ sagt meine Notiz-App. Genervt verdrehe ich die Augen. Und im nächsten Moment schäme ich mich für meine Gedanken. Seit wann müssen wir uns Erinnerungen schreiben für ganz selbstverständliche Dinge? Ich verdränge meine Gefühle und laufe weiter der Masse nach. So wie ich das immer mache. So wie es jeder macht.

An einer mit Graffiti beschmierten Wand bleibe ich hängen: „Sinnloses Leben“ steht dort in roten Buchstaben geschrieben…

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„Leben ist das, was passiert, während du andere Dinge im Kopf hast.‘‘ sagte John Lennon. Hat er etwa recht? Hat das Leben überhaupt noch einen Sinn?

Leben – es gibt nichts Selteneres auf der Welt. Die meisten Menschen existieren, weiter nichts. ~ Oscar Wilde

Kann man das was wir tun, wirklich leben nennen? Oder sind wir einfach nur da, weil wir eben da sind – Ohne jeglichen Grund und ohne Ziel? Wir reden immer von einem „Sinn des Lebens“. Aber ist das Leben nicht selbst der Sinn? Wir sind es, die das Leben zu dem machen, was es ist. Doch manchmal frage ich mich, ob wir nicht nur vor uns hin „leben“.

Viel zu wenig Menschen leben wirklich das Leben, das sie sich wünschen. Natürlich muss man zuerst lernen, um später Erfolg zu haben. Man muss erst Geld verdienen, um sich einen teuren Urlaub leisten zu können. Dass der Spaß dabei zu kurz kommt, ist uns aber egal.

Haben wir überhaupt noch Lust auf Leben?

Diese Frage ist hart, ich weiß. Doch steckt nicht auch ein bisschen Wahrheit dahinter, dass wir oft schlecht gelaunt, genervt, gestresst oder ausgelaugt sind? Stimmt es nicht, dass der Alltag manchmal überfordernd ist? Oder dass wir uns in einer Situation wieder finden mit der wir nicht klar kommen und wir uns nur darin befinden, „weil man das eben so macht“?

Schon die kleinsten Dinge lassen uns die Fäuste ballen. Wir sind angespannt und gleichzeitig leer. Jeder nörgelt und hat was auszusetzen an seinem Spießerleben. Aber dran ändern tun wir nichts. Der Alltag hängt wie eine Eisenkugel an unseren Füßen und das Leben rauscht an uns vorbei wie Schall – schnell und unsichtbar. Schöne Momente sind meist nur von kurzer Dauer und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Sie sind nur die Leckerlis zwischendurch.

Wohin ich auch reise, überall portioniertes Leben, portionierter Zucker, portionierte Kaffeesahne, eine Kleinst-Portion Butter, der Mikrowellen-Cordon-Bleu-Bausatz, Shampoo-Conditioner-Fläschlein, Einzelproben Mundwasser, winzige Seifenstücke. Die Leute, die ich auf jedem Flug kennen lerne sind portionierte Freunde. Zwischen Start und Landung verbringen wir unsere gemeinsame Zeit und das war’s. ~ Fight Club

Wir sollten uns trauen auch mal aus dem Alltag auszubrechen. Uns waghalsig in ein Abenteuer stürzen ohne zu wissen, was genau wir da eigentlich tun. Das Leben ist nicht nur da um zu arbeiten und zu lernen. Es geht nicht nur um Geld und Macht. Es geht um Spaß, Liebe und Herausforderungen.

Der Sinn des Lebens ist es das Leben zu genießen, unbekannte Dinge zu entdecken und an neuen Aufgaben zu wachsen. Der Sinn des Lebens steckt in jedem noch so kleinen Augenblick, den wir erleben dürfen. Es gibt keinen tieferen Sinn als das Leben selbst.

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind. ~ Hermann Hesse

❥ Janina

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22 thoughts on “❥ Haben wir überhaupt noch Lust aufs Leben? Hinterlasse einen Kommentar

  1. Wirklich sehr gut geschrieben! Du sprichst teilweise genau meine Gedanken aus die meisten Menschen starren nur noch auf ihre Handys und laufen wie Zombies durch die Stadt… geplagt von Problemen die sie sich selber machen. Schreib weiter so ist echt gut und bringt die Leute vielleicht mal ein bisschen zum nachdenken!!

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  2. Digitale Zombies – das trifft es ziemlich gut. Wir sind wie ferngesteuert. Am schlimmsten finde ich es, wenn ich mich mit Freunden treffe und viele lange zeit nur auf ihr Handy starren und tippen. Hallo, ich bin hier, in der Realität! Sprich mit mir! Ich bin sogar zum Anfassen da, man kann mich umarmen!

    Es ist schwer, dem zu widerstehen. Ich habe neulich bei mir beobachtet, dass ich eine neue Marotte habe: Wenn ich vor der Ampel stehe, verspüre ich das BEdürfnis, mein Handy zu zucken, weil ich diese unnütze Wartezeit automatisch füllen will und mal schnell meine Messages checke. Fatal! Ich widerstehe jetzt dem Impuls. Atme tief durch. Denke an was Schönes. Vor-der-Ampel-Stehen – so nervig das auch ist – ist eine Pause. Für mich. Punkt.

    Gefällt 1 Person

  3. Ich liebe das Leben und ich versuche jeden Moment zu genießen und mindestens einmal am Tag zu lachen. Leider vergisst man das. Man muss sich nur mal Kinder anschauen wie sorgenfrei sie leben. Und selbst wenn sie mal hinfallen oder der Turm mit Bauklötzen umfällt, dann stehen sie einfach auf bzw bauen den Turm einfach wieder auf. Irgendwann haben wir angefangen uns zuviele Gedanken zu machen und man gewöhnt sich dran. Ich versuche hin und wieder wie ein Kind zu sein und nicht soviel zu grübeln und alles so ernst zu nehmen. Dadurch denke ich positiver und fühle mich einfach besser 😊🤗

    liebe Grüße
    Josy von http://www.dasfraeuleinwunder.de

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  4. Danke für den schönen Text! Das ist ein guter Spiegel unserer Gesellschaft. Jetzt heisst es aufmachen und die Blumen am Wegrand entdecken, die Sonnenstrahlen einfangen und nicht zu letzt dem Schüler im Bus zuzwinkern – ein Anfang, das Leben neu aufblühen zu lassen.

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