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❥ Das Theaterstück der Menschheit

„,Spieglein, Spieglein an der Wand: wer ist die schönste Frau in dem ganzen Land?‘ da antwortete der Spiegel aber wieder: ‚Frau Königin, ihr seyd die schönste hier, aber Sneewittchen, über den sieben Bergen ist noch tausend Mal schöner als Ihr!'“[1]

Wie die Geschichte von Schneewittchen beweist, werden schon Kinder mit dem Thema Schönheit konfrontiert. Doch kann Schönheit überhaupt definiert werden? Darf ein Märchen sagen, was jemand als schön zu empfinden hat? Was ist Schönheit dann? Eine wallende Mähne, Barbieaugen und size zero? Wer entscheidet überhaupt was „schön“ ist? In der Zeit der neuen Medien ist diese Frage einfach zu beantworten: Stars und Sternchen, die uns vormachen, was es heißt „perfekt“ zu sein. Ausgehungerte Models, die über Laufstege stolzieren. Und natürlich all die Dokumentationen, Soaps und Serien, die uns die Welten der Außenseiter, der „Hässlichen Entlein“ vorspielen. Und da wundert man sich, wieso die Jugend von heute in einem unendlichen Schönheitsrausch steckt und unaufhörlich die Perfektion sucht.

Doch hinter all den Modepüppchen und Kalorienzählern stecken auch nur Menschen. Sie verstecken sich hinter Masken, die ihre wahren Persönlichkeiten verdecken. Strahlendgroße Augen, ein makelloser Taint und volle, rote Lippen mit einem wunderschönen Dauerlächeln sind aber garantiert kein Zeichen von Schönheit. Denn diese kommt – ja Sie wissen es – von innen. Und das Wichtigste: jeder entscheidet selber was schön ist und was nicht. Jeder sieht sein Umfeld aus anderen Augen, das heißt jeder hat andere Eindrücke einer Person. Dem einen fallen sofort die Rehaugen seiner neuen Nachbarin auf, obwohl diese in den Augen eines anderen zu weit auseinander stehen. Viel mehr geht es darum, was man persönlich als anziehend empfindet und das wird gelenkt von unserem Charme und unserer Ausstrahlung. Aber auch hierüber lässt sich streiten. Die italienische Schauspielerin Sophia Loren versucht es so zu erklären: „Charme ist der unsichtbare Teil der Schönheit, ohne den niemand wirklich schön sein kann“. Über das Schöne wurden schon viele Vermutungen und Thesen formuliert. Seit der Antike gibt es unterschiedliche Meinungen und Versuche eine Definition zu finden. Ein beudeutender Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant, war der Meinung, dass jeder etwas anderes als attraktiv oder reizvoll empfindet. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, ein Philosoph des Idealismus, hingegen beschrieb die Schönheit als „das sinnliche Scheinen der Idee“[2]

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Wer also kann nun bestimmen wer gut aussieht und wer nicht und vor allem, wieso lassen wir uns von den Verantwortlichen verleiten und verbiegen? Nur wer so ist, wie er ist, ist wirklich schön. Andernfalls sind wir eben nicht wir, sondern ein Spiegelbild einer Perfektion, die es nicht gibt. Marionetten, gelenkt von Puppen, die selbst nichts sind als bloßer Schein. Ein Schein, den die Menschheit glaubt, den sie kopiert und versucht umzusetzen. Doch dieser Versuch ist vergeblich, denn die Masken lassen ihre Spuren zurück. Das Lachen ist aufgesetzt und das Gefühl von Überlegensein, etwas Besseres zu sein, ist gespielt. Wir sind ein großes Theaterstück, in dem jeder in eine Rolle schlüpft und versucht mit dieser zu überzeugen. Doch sobald wir unsere Masken absetzen, kommt unser wahres Gesicht zum Vorschein. Unsere Imperfektion, die wir ablegen wollen. Unsere Unvollkommenheit, die es aber eigentlich ist, was uns zu dem macht was wir sind. Unsere Macken und Fehler, unsere Ecken und Kanten. Genau das, was wir sind. Das was uns erlaubt ein Idividuum zu sein, ein einmaliges Geschöpf, so einzigartig wie ein Stern. Es gibt Millionen, ja Milliarden und doch gibt es jeden nur einmal. Und jeder von ihnen strahlt. Jeder von ihnen ist richtig, so wie er ist. Jeder von ihnen ist schön. Doch warum Gedanken machen, wenn die Antwort auf der Hand liegt: „Für eine Frau ist Schönheit unbedingt wichtiger als Intelligenz, denn für Männer ist Sehen leichter als Denken“[3].

[1] Gebrüder Grimm, Sneewittchen, Kinder- und Hausmärchen. Große Ausgabe 1. Band 1. Auflage, Berlin, 1812. S. 242f. [2] G. W. F. Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik I., Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1986 [3] Lil Dagover, deutsche Schauspielerin

❥ Janina

 

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