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Was wir vom Jahr 2020 lernen können

Was wir von 2020 lernen können

2020 – Eine Zahlenfolge, die den meisten von uns wohl für immer ins Gedächtnis gebrannt sein wird. Ein Jahr voller Unsicherheit, Angst und Hoffnungslosigkeit. Mit vielen Verlusten, Einschränkungen und Hürden. Es werden ständig neue Entscheidungen getroffen, die jeden von uns treffen – manche mehr als andere.

Die Welt steht still und dreht sich gleichzeitig schneller denn je. Wo ist oben? Wo ist unten? Die Gravitation scheint uns nicht mehr halten zu können. Alles ist prekär, haltlos und in der Schwebe. Nichts ist mehr an seinem Platz. Nichts ist so, wie wir es kennen. Unser wohlgehütetes Leben gerät immer mehr aus den Fugen.

Das Jahr 2020 ist geprägt von vielen Schlagwörtern: Ausschreitungen, Waldbrände, Klimawandel, Machtkämpfe, Kriege, Anschuldigungen und natürlich Corona. Hinter der geballten Negativität, die uns dieses Jahr zu überrollen scheint, verbergen sich aber auch positive Dinge, die uns gezeigt haben, worauf es in solchen Krisen wirklich ankommt.

Perspektivenwechsel: Das habe ich vom Jahr 2020 gelernt

Wir dürfen die Augen natürlich nicht vor dem verschließen, was ist. Die Lage ist ernst und das möchte ich auch in keiner Weise leugnen. Und trotzdem war das Jahr 2020 wohl eines der lehrreichsten überhaupt – sowohl im negativen als auch im positiven Sinne. Denn wie das so ist, verbirgt sich hinter jeder Krise auch die Chance für Neues.

Ich kann über mich hinauswachsen

Kein Jahr zuvor hat uns so viel abverlangt wie 2020. Wir müssen zurückstecken, uns in Enthaltung üben und unser gut behütetes Leben auf den Kopf stellen. Es war und ist nicht immer leicht. Jeder muss kämpfen, sich am Riemen reißen. Doch hast du bemerkt, wie sehr du über dich hinausgewachsen bist? Wie viel stärker du heute bist? Darauf kannst du stolz sein.

Und auch, wenn du das Gefühl hast, in einer Sackgasse zu stecken: Du bist heute hier. Du bist jetzt. Du meisterst dieses Jahr besser als du vielleicht denkst. Der Mensch ist anpassungsfähig – das haben wir dieses Jahr mehr als einmal bewiesen. Lass es uns immer wieder beweisen!

Nichts ist selbstverständlich

Mein Leben lang habe ich viele Dinge für selbstverständlich angesehen. Die Freiheit, das zu tun, worauf ich Lust habe. Einen sicheren Job zu haben. Gesund zu sein. Meine Familie zu besuchen. Freunde zu umarmen. Shoppen zu gehen. Mir nachts die Füße wund zu tanzen. Das Leben in vollen Zügen zu genießen. Die Corona-Krise zeigt: Nichts davon ist selbstverständlich.

Vielen Menschen auf dieser Welt waren diese Dinge schon vor Corona verwehrt. Sie waren niemals selbstverständlich. Umso mehr zwingt uns dieses Jahr, dankbar zu sein – sowohl für die alltäglichen Dinge als auch für die kleinsten Momente des Glücks.  

Ich kann lieben ohne Nähe

Nicht jeder hat das Glück, eine Familie und gute Freunde zu haben. Umso dankbarer bin ich, dass ich so tolle Leute um mich habe, die selbst aus dieser Hölle, die wir zurzeit durchschreiten, einen annehmbaren Lebensabschnitt machen. Ich habe dieses Jahr gelacht, ich wurde inspiriert, ich habe neue Freundschaften geschlossen und alte gefestigt.

In Krisen zeigt sich, wie sehr wir uns brauchen und aufeinander verlassen müssen. Wir müssen füreinander da sein – egal ob nah oder fern. Denn nicht jede Stütze muss sichtbar sein. Es reicht, wenn wir wissen, dass sie da ist. Corona hat mir gezeigt: Ich kann lieben ohne Nähe.

Verzichten kann bereichernd sein

Ich bin es gewohnt, viel unterwegs zu sein. Veranstaltungen hier, Städte-Trips dort – Ich liebe es, immer wieder neue Erfahrungen und Erlebnisse zu sammeln. Und dann kam Corona. Cut! Das gesellschaftliche Leben? Auf ein Minimum reduziert. Verzicht ist das Gebot der Stunde.

Wie für viele andere war dieser Einschnitt eine echte Herausforderung für mich. Oft wusste ich nicht, wohin mit mir. Meine Gedanken überschlugen sich und schienen in einem endlosen Kreislauf zu stecken. Die Decke viel mir auf den Kopf. Bis ich verstand, dass ich diese (wenn auch erzwungenermaßen) neu gewonnene Zeit nicht als Strafe, sondern als Chance sehen muss. Denn: Auf die einen Dinge zu verzichten bedeutet, sich Neuem öffnen zu können.

Natürlich hat das nichts an der Situation geändert. Doch ich habe verändert, wie ich mit ihr umgehe. Es liegt nicht in unserer Hand, welches Lied das Leben als nächstes spielt. Doch es liegt an uns, wie wir die Melodie wahrnehmen, wie wir sie für uns nutzen und von ihr lernen. Wir entscheiden, wie wir zu ihr tanzen.

Ich darf und muss auf meine Gefühle hören

Mein Gefühlsbarometer zeigt in diesem Jahr ein ständiges auf und ab. Es gab Tage, da fühlte sich alles normal an, da habe ich gelacht, mich frei gefühlt. Dann kam der Fall nach unten: Plötzlich war alles trist, ich fühlte mich einsam, hilflos. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass dieses Gefühlschaos nichts ist, für das ich mich schämen muss. Niemand kann von uns erwarten, in einer solchen Situation immer richtig zu funktionieren.

Es ist absolut okay, sich schlapp zu fühlen. Es ist okay, Körper und Geist eine Auszeit zu geben. Es ist okay, zu weinen. Es ist okay, zu lachen. Es ist okay, trotz Krise Freude zu empfinden. Es ist okay, nicht weiter zu wissen. Es ist okay, sich nach der „guten alten Zeit“ zu sehnen. Es ist okay, sich eine rosige Zukunft auszumalen. Es ist okay, nicht immer im Hier und Jetzt zu sein. Es ist okay, sich seinen Gefühlen hin zu geben.

Es gibt nicht immer einen Schuldigen

Es fällt uns Menschen leicht, die Schuld auf jemand oder etwas anderes zu schieben. Hauptsache man ist selbst fein raus aus der Sache. Doch so einfach ist das nicht. Es gibt nicht immer einen Schuldigen, auf den alle mit ihren Fingern zeigen können. Gerade in dieser weltweiten Pandemie spielen wir alle eine entscheidende Rolle.

Im Grunde ist es doch egal, warum und wo Corona entstanden ist. Denn Fakt ist: Wir alle tragen dazu bei, dass sich die Krankheit immer weiter ausbreitet. Statt die Schuld immer bei anderen zu suchen, sollten wir uns öfter selbst hinterfragen. Das gilt nicht nur für die aktuelle Krise, sondern auch für alle anderen Ereignisse, die wir zunächst mit dem Versagen anderer begründen. Es gibt kein „wir“ und „die anderen“. Es gibt nur ein „wir“.

Wir sind alle gleich

Eine weltweite Pandemie. Eine weltweite Krise. Weltweites Leid und weltweite Angst. Corona macht vor niemandem Halt. Der Virus unterscheidet nicht zwischen arm und reich. Zwischen gut und böse. Zwischen dir und mir. Er kennt keine Grenzen, keine Vorurteile, keine Privilegien. Denn: Wir sind alle gleich.

Trotz unserer Unterschiede beginnen wir alle unser Leben auf die gleiche Weise. Die Umstände und Bedingungen mögen sich unterscheiden, doch niemand wird wertvoller geboren als der andere. Wir sind eine Welt. Ein Universum. Eine große Einheit aus wundervollen Individuen, die alle ihre ganz persönliche Magie in sich tragen.

… und trotzdem bin ich privilegiert

Ich glaube fest an diese Magie, die in jedem von uns steckt. Trotzdem darf man nicht vergessen, wie privilegiert wir sind. Wir haben das Privileg, in einem (mal mehr und mal weniger) gut funktionierendem System zu leben. Wir haben Zugang zu allen wichtigen Lebensgrundlagen. Es mangelt uns an nichts. Wir haben ein Dach über dem Kopf, einen vollen Kühlschrank und können es uns warm eingemummelt mit Netflix bequem machen. Und trotzdem beschweren wir uns über diese harte Zeit.

Niemand verlangt von dir, dass du die aktuelle Situation stillschweigend über dich ergehen lässt. Aber sei dir darüber bewusst, wie gut du es trotz dieser Krise hast und wie viele Menschen es gibt, die dieses Privileg nicht haben. Erinnere dich selbst daran, dankbar für dein Leben zu sein – auch wenn es manchmal schwierig erscheint, das Positive zu sehen.

Wir können die Zukunft nicht vorhersehen

Wenn uns das Jahr 2020 etwas gelehrt hat, dann, dass die Zukunft nicht greifbar ist. Wir können noch so viel Zeit investieren, Vorhersagen zu treffen. Wir können neue Technologien entwickeln und Prognosen berechnen. Doch das Leben kommt nun mal nicht so, wie es ein Algorithmus vorhersagt. Es gibt so viele Variablen, die wir nicht kennen. So viele Möglichkeiten, die wir nicht bedenken.

Doch ist nicht das das Wunder des Lebens? Die unvorhersehbare Achterbahnfahrt, die uns mal einen Looping machen lässt, plötzlich eine Vollbremsung hinlegt und dann mit neuer Kraft nach oben schiebt? Dieses Auf und Ab gehört zum Leben.

Wir werden nicht immer wissen, was uns als nächstes erwartet. Aber wir können lernen, uns anzuschnallen und auch irgendwann den freien Fall genießen, wenn wir aus den ersten Malen gelernt haben. Lass dich überraschen – Du musst die Zukunft nicht immer kennen.

… aber für eine bessere kämpfen

Auch wenn wir die Zukunft nicht vorhersehen können: Das Jahr 2020 zeigt, dass wir auch anders können. Wo wir früher sagten „Wir können nicht“ steht heute ein „Wir müssen“. In einem Leben nach Corona wird es keine Ausreden mehr für uns geben. Denn wir haben bewiesen, dass wir fähig sind, uns anzupassen. Dass wir verzichten können. Dass wir einsehen können. Dass wir besser sein können.

Sei es für den Klimawandel, Gleichberechtigung oder den Frieden auf der Welt: Wir KÖNNEN und MÜSSEN uns ändern. Wir haben bewiesen, dass es geht. Jetzt kommt es darauf an, dass wir diese Einsicht auch nach der Krise nutzen. Nicht, um eine Utopie zu erschaffen, sondern für eine bessere Zukunft – auf die wir gemeinsam stolz sein können.

Janina

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